Gin-Boom in Japan angekommen – was uns aus Nippon erwartet

Keine Frage: Gin ist in. Vor rund sechs Jahren bei uns in Deutschland angekommen, kennt sich der Gin-Liebhaber mit seiner favorisierten Spirituose mehr als gut aus. Das Gin-Trinken, überwiegend in Form von Gin-Tonic, ist mittlerweile fast schon zur Kunstform geworden. Viele verschiedene Trinkweisen werden ausprobiert, dabei sind der Fantasie keine Grenzen gesetzt. Bei der Gin-Produktion beschreiten die Produzenten immer kreativere Wege, deshalb ist es kaum verwunderlich, dass auch im Tonic-Bereich immer mehr neue Hersteller mit neuen Geschmacksrichtungen auf den Markt strömen, sei es mit Kirschblüten-, Kardamom- oder Citrus-Geschmack. Aber zurück zum Gin! Gin mit frischer Gurke zu kombinieren ist fast schon out, vielmehr sind nun Wacholderbeeren, Basilikum, Thymian, Rosmarin, Holunderblüten, Rosenblätter oder ganze Lavendelzweige für das Schmücken und Verfeinern des Gin-Tonics gefragt. Es gibt unzählige Möglichkeiten, diesen Longdrink zu verfeinern. Fazit: Immer mehr neue Gin-Sorten strömen auf den Markt, immer mehr Tonic-Sorten und immer wieder neue Rezepte für Cocktails mit Gin. Was bei uns gang und gäbe, in den Bars fast schon Alltag ist, hat nun auch Japan erreicht. Statt sich nur auf guten Whisky reduzieren zu lassen, geht Nippon nun in die Offensive und möchte mit der Produktion von exotischen Gins mit Sicherheit an seinen Whiskyerfolg anschließen. Und lässt das Herz eines jeden Gin-Liebhabers durch den Einsatz traditioneller japanischer Botanicals, also Aromen, die dem Gin beigefügt werden, um seinen jeweils individuellen Geschmack herzustellen, mit Sicherheit höherschlagen.

Der erste japanische Gin, der bereits seit Juni 2016 in Japan auf dem Markt ist, ist der KOON Japanese Gin, produziert von Hombo Shuzo, die durch ihren berühmten Mars Whisky bekannte Destillerie mit Sitz in Shinshu, 200 km weit von Tokyo entfernt. Der Gin, der sich vor allem durch die Zugabe der Yuzu-Frucht, Wacholder und Botanicals aus der Nagano-Region auszeichnet, hat einen Alkoholgehalt von 45 % und schmeckt rund und ausgewogen. Er lässt sich sowohl pur als auch als Gin-Tonic genießen. Es handelt sich hierbei um einen sogenannten „New Western Dry Gin“, bei der die Wachholdernote zwar vorhanden ist, aber durch andere Aromaträger in den Hintergrund gerät. Warum neben „New“ noch auf den Zusatz „Western“ gesetzt wird, ist nicht ganz klar. Es gibt keine nationale oder regionale Begrenzung, er wird in den USA genauso hergestellt wie in Europa oder eben auch Asien. Den KOON kann man in unserem Shop seit Dezember 2016 kaufen.

Kurze Zeit später, nämlich im September 2016, kam der Ki No Bi Kyoto Dry Gin, hergestellt von der Kyoto Distillery, auf den japanischen Markt. Es handelt sich hierbei um ebenfalls um einen New Western Dry Gin, auch wenn der Ki No Bi nur die Zusatzbezeichnung „Dry Gin“ im Namen trägt. Aromen von Hinoki-Holz Spänen, grünem Sansho Pfeffer, Bambusblättern, Gyokuro Tee und Yuzu bestimmen die Geschmacksnoten. Den Ki No Bi gibt es seit kurzem auch in Deutschland in diversen Onlineshops zu kaufen. Bis Mitte des Jahres war es in Europa nur den Österreichern und Engländern vorbehalten, in den Genuss dieses köstlichen Gins zu kommen. Alkoholgehalt: 45,7 %.

Mitte dieses Jahres wurde nun bekannt, dass auch die „Big Player“ Japans im Gin-Geschäft mitmischen möchten. Suntory, einer der fünf größten Getränkekonzerne der Welt, sowie Nikka, Japans zweitgrößter Whiskyproduzent, haben im Land der aufgehenden Sonne bereits jeweils einen Gin auf dem Markt. Die Expansion nach Europa soll in Kürze folgen.

Suntory’s Roku, japanisch für die Zahl „6“ und seit Ende Juni 2017 in Japan erhältlich, besticht alleine schon durch seine extravagante Flasche mit einem Label aus japanischem Washi-Papier. Die Basis für diesen New Western Dry Gin bilden sechs traditionelle japanische Botanicals – daher der Name Roku, und zwar Blüte und Blatt des Kirschbaums, die Schale der Zitrusfrucht Yuzu, Sencha Tee, Gyokuro Tee und Sansho Pfeffer. Der Gin mit 47 % Alkohol kommt bei uns in Deutschland wohl im Laufe des Septembers 2017 in die Läden.

Auch wirklich interessant ist der New Western Dry Gin, den Nikka kürzlich in Japan releast hat. Die Coffey-Linie von Nikka wird dem ein oder anderen vielleicht schon aus dem Whisky-Bereich bekannt sein (Nikka Coffey Malt und Nikka Coffey Grain). Ebenfalls im September 2017 soll der brandneue Nikka Coffey Gin nun auch in Deutschland erhältlich sein. Er enthält 11 Botanicals wie Wacholder, Angelikawurzel, Zitronen- sowie Orangenschale, Koriander und typisch japanische Zutaten wie Yuzu, Amanatsu, Shīkuwāsā, Kabosu und Sansho Pfeffer. Er wird mit 47% Alkoholvolumen abgefüllt. Parallel zum Gin hat Nikka übrigens auch den Coffey Vodka herausgebracht, der – ganz wie die Japaner es mögen – besonders weich und sanft ist.

Es lohnt sich auf jeden Fall, die japanischen Gins zu probieren. Denn die Japaner sind dafür bekannt, herausragende Spirituosen herzustellen. Mit großer Sorgfalt, Innovation, Präzision und viel Liebe zum Detail sind die japanischen Gins hergestellt, genauso, wie wir es auch schon vom japanischen Whisky her gewohnt sind. Es wird spannend sein, ob es den Japanern erneut gelingt, auch im Gin-Bereich der einen oder anderen Nation den Rang abzulaufen und weltweit Bestnoten zu erzielen.